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| Inhaltsverzeichnis: |
| Kundry |
| Das Kopftuch |
| Lilli oder Das dritte Auge |
| Bericht vom Planeten "Kleiner Bruder" |
| Vojko Trutzkij |
| Der See |
| Troubadour
Wüste 96
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| "Daves Stimme
dozierende
Stimme drang durch seine Angst: "Du weißt - wir haben den
Durchbruch
geschafft. Aber was die Feineinstellung der Koordinaten betrifft,
wußte
Columbus wahrscheinlich mehr über die Position Amerikas bevor er
losfuhr,
als wir über deinen exakten Raumzeit-Landepunkt. Alles was wir tun
können, ist, dich in die Zukunft zu katapultieren und dafür
zu
sorgen, daß du nicht in einem Ozean landest - alles andere werden
wir erst durch dich erfahren. Solange du in der Zukunft bist, gibt es
keine
Verbindung. Wir wissen nur, daß ein lebender Organismus den
Zeitbruch
übersteht. Sammy und Iris konnten uns schließlich nicht
erzählen,
was sie gesehen und erlebt haben - jedenfalls noch nicht. Wir wissen
also
nicht, an welchem Ort und und zu welcher Zeit du genau landen
wirst..." Nachdem sie ihre
Liebe
genossen hatte, verwandelten sich ihre Liebhaber in Morgenröcke.
Karlas
Kollektion von Morgenröcken war berühmt. Einmal im Jahr, wenn
sie eine Führung veranstaltete, durfte die staunende
Öffentlichkeit
einen Blick darauf werfen. Jedes Stück ein kostbares Unikat - man
bewunderte sie und betrauerte die Männer, die Körper, Geist
und
Seele gelassen hatten, um von ihr in einen Morgenrock verwandelt zu
werden.
Aber es fehlte nicht an Nachschub. Er log. Aber sie brauchten ja nicht zu wissen, daß er oft Stunden hinter der Gardine verbrachte und sie beobachtete. Erst vor ein paar Wochen war ihm die junge Frau mit dem Kopftuch in der Wohnung gegenüber aufgefallen. Ein Kopftuch in der Wohnung! Wie im Harem! war es ihm durch den Kopf geschossen, und das Wort Harem war erregend durch seinen Körper geprickelt. Nicht daß die junge Frau, die ihr Haar unter dem Kopftuch verbarg, seine Neugier geweckt hätte. Das wäre unter seiner Würde. Aber wenn er zufällig am Fenster vorbeikam, warf er automatisch einen flüchtigen Blick zum Fenster gegenüber. In den darauffolgenden Tagen kam er sehr oft am Fenster vorbei. Irgendwann war es ein selbstverständliches Sichvergewissern geworden, ob sie da war oder nicht. Und irgendwann hatte er angefangen, sie genau zu beobachten, wenn sie sich drüben hinter den beiden Fenstern bewegte. aus Lilli oder Das dritte Auge Ulrichs Blick
blieb an
einem kleinen bunten Strauß im Vorraum hängen, der durch den
Rundbogen vom "Wohnbereich" aus zu sehen war. Es waren wohl Rosen darin
und Fresien - die anderen Sorten konnte er aus der Ferne nicht
erkennen.
Es war auch ganz unwichtig, wie die zusammengebundenen Blumen
hießen.
Es war der Strauß selbst, der Ulrichs Aufmerksamkeit erregte.
Denn
er explodierte geradezu in flammender Buntheit. In seinem
überquellenden,
lebendigen Farbenspiel erinnerte er an einen Bauernstrauß, in den
man wahllos alle auf der Wiese vorhandenen Blumenarten gepflückt
hatte,
so daß mit dem Strauß die blühende Wiese selbst in das
Haus gekommen zu sein schien. Nur daß im November die Wiesen
draußen
nicht mehr bunt blühten. Jedenfalls nicht in diesen Breiten.
Ulrich
war sicher, daß Sonja und Gerhard diesen Strauß weder
gekauft
noch gebunden hatten. Vermutlich stand er auch deshalb draußen im
Vorraum. In die so sorgsam gepflegte schwarzweiße Wohnkultur
paßte
er hinein wie ein Trompetenstoß in ein Bergsches Streichquartett.
Einer von den Gästen mußte ihn mitgebracht haben. Ulrich
fragte
sich, wer von diesen angepaßt Übermütigen zu einem
solchen
Strauß fähig war. aus: Bericht vom Planeten "Kleiner Bruder" "Als erstes
versuchten
wir, den Grad der Intelligenz der Nackthäutler zu bestimmen, also
ihre Fähigkeit zu umfassender und realistischer Wahrnehmung ihrer
selbst und ihrer Umwelt. Dies erfordert einen ausgeprägten
Geruchssinn.
Denn wie anders als durch intensives, hautnahes Beriechen können
wir
Aufschluß über den Charakter und die gegenwärtige
Verfassung
unseres Gegenübers gewinnen? Kein anderer Sinn bietet eine solche
Vielfalt, Fülle und Tiefe an Informationen wie der Geruchssinn.
Die
Reichweite seines Informationsraumes ist unübertroffen. Der Wind
trägt
uns die Witterung von Freund oder Feind zu, lange bevor wir ihn
hören,
sehen oder betasten können. Kaum hatte
Müller-Soden
ihn im Bistro fest zwischen Wand und Tisch eingekeilt, war er mit
seinem
neuen Gott und seiner Mission herausgerückt. Er hatte sich einen
Computer
gekauft und schrieb nun seine Manuskripte nicht mehr mit der
Schreibmaschine,
sondern mit Hilfe eines Textverarbeitungsprogramms.
Paolina hatte längst schon das Frühstück für die Gäste abgeräumt und bereitete das Mittagessen vor, als sich die ersten verschlafenen Touristengesichter zeigten. Sie waren mißmutig und zeigten ungeniert ihre schlechte Laune. Sie mußten noch dieselben Kleider und dieselbe Wäsche vom Vortag tragen, die sie selbst nachts nicht hatten ausziehen können. Es gab keine Dusche. Sie hatten keine Zahnbürsten, Zahnpasta, Deodorants dabei. Schließlich hatten sie nur für einen Tagesausflug gebucht. Ihre Wäsche zum Wechseln, ihre Toilettenartikel warteten im vollklimatisierten Hotel in der Stadt. Der Fischgeruch verstörte sie. Fisch zum Frühstück! Sie fühlten sich gestrandet, ausgeliefert an eine fremde, primitive Welt, die auf einmal zu dicht und aufdringlich an sie herangerückt war. Sie sehnten sich zurück nach der Zivilisation, nach dem Hotel, nach fließendem Wasser aus einer Mischbatterie und einem kachelblinkenden stillen Örtchen. Sie gingen hinunter zum Strand. Ein gutes Stück von den Fischerbooten und den ausgespannten Netzen, hockten Frauen auf ein paar großen Steinen und wuschen ihre Wäsche. Eine alte Frau wackelte mit schnellen kleinen Schritten heran. In den Händen trug sie einen großen Keramiktopf. Sie keuchte ans Wasser, nahm dem Topf und schüttete seinen Inhalt ins Wasser. Wenig später roch es nach süßlichem Urin. "Eine Kloake, dieser ganze See ist eine Kloake!" stammelte Evelyn fassungslos. "Und sie waschen sich darin, fischen die Fische daraus - und trinken wahrscheinlich auch noch das Wasser!" "So wie wir gestern abend," fügte Udo hinzu. "Ich glaube, mir wird übel!" Evelyn, die sich heute nicht wie gewohnt schminken konnte, sah tatsächlich etwas bläßlich aus. "Unsinn," kam es von Manfred, den zwar auch ein leichtes Ekelgefühl anwehte, aber da er sich mehr seinem überlegenen Verstand verpflichtet fühlte, sagte er jetzt: "Dieses Wasser ist uns gestern ausgezeichnet bekommen. Der See ist schließlich groß genug. Und die Leute hier machen auch einen ganz gesunden Eindruck!" "Aber den Fisch kann ich trotzdem nicht essen," behauptete sich Evelyn gegen ihren Mann. Inzwischen hatten die Dorfkinder die Turistos entdeckt. Sie umringten die vier hellbunten Gestalten und schauten sie mit ihren großen dunklen Augen an. Sie bettelten nicht, aber den Vieren war es trotzdem nicht angenehm, auf Schritt und Tritt wie durch ein Vergrößerungsglas beobachtet zu werden. "Du hast
abgenommen!" sagte
Sybille erfreut, als sie sich nach ihrem Urlaub trafen. "Acht Pfund",
bestätigte
Carlotta und bestellte sich ein Eis. Sie saßen im Mövenpick
im Freien und genossen die ersten warmen Sonnenstrahlen. "Was macht
dein
Romeo? Schreibt er noch?" Carlotta nickte. "Und wer ist es?" "Ich
weiß
es nicht." "Du hast es nicht herausgefunden?" "Wie denn", fragte
Carlotta.
Die Briefe sind in Frankfurt aufgegeben, mehr weiß ich nicht."
"Schweinekerl."
"Er schreibt aber nicht schweinisch." "Trotzdem: schweinischer, feiger
Macho! - Sag bloß, daß dir die Briefe gefallen!" Carlotta
nickte
wieder. "Ich habe ihn Troubadour genannt. Allmählich fange ich an
zu glauben, daß die mittelalterlichen Frauen gar nicht so
übel
dran waren. Jedenfalls nicht die hochgestellten Frauen. Das gilt
natürlich
nicht für die einfachen Bauersfrauen oder Dienstmägde. Aber
besungen
zu werden..." Sybille sah sie prüfend an. "Deine Augen haben
Glanz.
Und deine Haut hat Farbe bekommen! - Tust du was?" "Überhaupt
nichts,
das ist ja der Witz!" Carlotta lachte. "Es geht ganz von selbst! Ich
mache
nicht einmal eine Abmagerungskur. Ich habe einfach weniger Hunger! Ich
nasche kaum noch und schwere Sachen esse ich auch weniger." Sybilles
Augen
blickten groß, ungläubig und mißtrauisch. "Ich bin
gespannt,
wie das endet!" "Ich auch" sagte Carlotta sehr einfach. Dann sprachen
sie
über Sybilles Chinaurlaub, über Klaus und über die
Kinder.
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